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Ein Original von … (IV)

 

Herbert Brandl | Günter Brus | Christian Eisenberger

Alfred Haberpointner | Johanna Kandl | Karl Karner

Josef Kern | Ronald Kodritsch | Zenita Komad

Andreas Leikauf | Alois Mosbacher | Raimund Pleschberger

Robert Schaberl | Peter Skubic | Thomas Stimm

Uta Weber | Wolfgang Wiedner | Otto Zitko

 

 

Eröffnung am Samstag, 19. November 2016 von 11:00 bis 18:00 Uhr

Ausstellung bis 9. Jänner 2017

Mo – Sa  9 – 19 Uhr, So nach Voranmeldung

 

 

 

 

 

Ein Original von …(IV)

 

Sammeln ist Ausdruck einer existenziellen, allgemein menschlichen Sehnsucht, nämlich Erinnerung wachzuhalten. Einerseits um dem Menschen Definitions- und Orientierungshilfen für seine eigene Gegenwart und seine Zukunft zu geben, andererseits, um die Vergänglichkeit des individuellen Lebens und der Gesellschaft durch die Weitergabe materieller Beweisstücke ihrer Existenz zu transzendieren. Das Sammeln von Zeugnissen der Natur oder Kultur setzt also ein Geschichtsbewusstsein voraus. Daher wir das Museum oft als Ort der Erinnerung verstanden, an dem alles das gesammelt und aufbewahrt wird, was sich als geschichtlich relevant, wertvoll und wichtig erwiesen hat.

 

In ihren Ursprüngen waren die meisten Sammlungen konzeptuelle Systeme, durch die ihre Sammler versuchten, die Welt zu erforschen, zu verstehen und zu erklären. Sammlungen von Naturalien und Artefakten sind seit der Antike bekannt, und mit dem im 4. vorchristlichen Jahrhundert begründeten Museion in Alexandria, wurde erstmals ein Musentempel geschaffen, der mit seinen Sammlungen und seiner umfangreichen Bibliothek auch ein Hauptsitz der Wissenschaften wurde. In Europa entstanden seit dem 14. Jahrhundert repräsentative Sammlungen von Adeligen, kirchlichen Würdenträgern und vermögenden Bürgern, die in ihren Raritäten- und Kuriositätenkabinetten unterschiedslos Kunst, Artefakte und Naturalien versammelten. Das Interesse am Ungewöhnlichen und Seltsamen führte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Ausbildung von sogenannten Kunst- und Wunderkammern, die den Anspruch vertraten, als „theatrum mundi“ eine universellen Überblick über den Wissensstand ihrer Zeit zu geben. Die wohl bekannteste wurde 1563 von Erzherzog Ferdinand II von Tirol auf Schloss Ambras begründet. Im 17. Jahrhundert wird aus dem intimen Sammlungsraum des studio oder studiolo die extrovertiertere Form der galleria und es entstehen die ersten „öffentlich“ zugänglichen Schausammlungen, wie das Amerbach-Kabinett in Basel oder das Ashmolean Museum in Oxford. Im Zuge der Französischen Revolution kommt es schließlich zu den ersten Museumsgründungen mit freien Zugang für die breite Öffentlichkeit und viele Privatsammlungen finden durch Ankäufe und Stiftungen Eingang in diesen bis zur Gegenwart vorherrschende Typ des Staatsmuseums.

 

 

Doch was bedeutet es nun, Kunst zu sammeln? Auf den ersten Blick mag man vielleicht keinen großen Unterschied erkennen, ob man Kunst, Musikinstrumente oder Autos sammelt. Man findet Artefakte, die sich als historisch relevant und bedeutend erwiesen haben und sammelt sie. Die Schwierigkeiten beginnen jedoch, wenn es sich um zeitgenössische Kunst handelt und das Auswahlkriterium erneut die Frage, nach der historischen Bedeutung sein soll.

 

Gerade die Kunst der Avantgarde hat das Primat des persönlichen Geschmacks unterlaufen und praktisch abgeschafft, in dem sie vorgeführt hat, dass ein Kunstwerk gerade dann besonders sammlungswürdig und wertvoll sein kann, wenn es niemandem gefällt. Dabei entsteht die künstlerische Innovation weniger als Ausdruck der vielgerühmten künstlerischen Freiheit, die der gesellschaftlichen Aktualität ihrer Zeit einen Ausdruck geben will, sondern viel öfter unter dem Zwang, der ihr von der Sammlung selbst auferlegt wird, nämlich anders und neu zu sein, damit man Aufnahme in die Sammlung findet. Dieser Zwang wird besonders seit der Moderne durch die Rhetorik der künstlerischen Freiheit verdeckt. „Die wahre Freiheit des Künstlers bestünde eigentlich darin, sowohl das Alte wie auch das Neue produzieren zu dürfen.“[1] Diese Freiheit hat es aber in den verschiedenen Modernen nicht gegeben, da der Wiederholung des Alten und Bekannten der Vorwurf des Epigonentums und des Kitschs entgegenschlug. Zwar haben die größten Künstler der Avantgarde immer wieder gefordert, dass in der Kunst alles erlaubt sein sollte, doch gegen das Verbot der Wiederholung haben sich diese Forderungen als machtlos erwiesen.

 

Die Kunst der Avantgarde kann daher nicht als Ausdruck einer persönlichen Freiheit des Künstlers gesehen werden, da dieser von Anfang an strategisch und mit Kalkül vorging. Wenn die Kunst aber nicht als authentischer Ausdruck der Individualität gelten kann, kann sie dementsprechend dann noch als Ausdruck ihrer Zeit oder Gesellschaft aufgefasst werden? Kann eine Sammlung zeitgenössischer Kunst dann noch Spiegel der Gesellschaft, Zeugnis der Zeit und Orientierungshilfe in der Gegenwart sein?

 

 

Jede Sammlung strebt das Ideal der umfassenden Repräsentativität an. Der Privatsammler hat allerdings den Vorteil, dass er nur seiner eigenen Logik des Begehrens verpflichtet sein darf. Die Frage nach dem Sinn einer Kunstsammlung läuft wie die Frage nach dem Sinn der Kunst auf die Antwort hinaus, dass sie keinen Sinn (mehr) repräsentiert, falls unter dem Begriff „Sinn“ eine außerkulturelle, außerkünstlerische Realität gemeint ist, auf die die Kunst verweisen könnte oder sollte.[2] Die Welt kann nicht mehr verstanden und im Sinne der frühen Wunderkammern erklärt werden und es mehren sich die Zweifel, dass sie noch verändert werden kann. Das einzige, das man tun kann, das einzige was bleibt, ist die Welt zu sammeln, vielleicht auch, damit was bleibt.

 

 

 

Die Welt wird in dieser Ausstellung repräsentiert durch: Herbert Brandl, Günter Brus, Christian Eisenberger, Alfred Haberpointner, Johanna Kandl, Karl Karner, Josef Kern, Ronald Kodritsch, Zenita Komad, Andreas Leikauf, Alois Mosbacher, Raimund Pleschberger, Robert Schaberl, Peter Skubic, Thomas Stimm, Uta Weber, Wolfgang Wiedner und Otto Zitko

 

(Roman Grabner)

 


 

[1] Boris Groys, Logik der Sammlung. München/Wien 1997, S. S 31.

[2] Vgl. Groys, 40.

 

 

 

 

 

 

 

 

Herbert Brandl

 

Günter Brus

 

Christian Eisenberger

 

Alfred Haberpointner

 

Johanna Kandl

 

Karl Karner

 

Josef Kern

 

Ronald Kodritsch

 

Zenita Komad

 

Andreas Leikauf

 

Alois Mosbacher

 

Raimund Pleschberger

 

Robert Schaberl

 

Peter Skubic

 

Thomas Stimm

 

Uta Weber

 

Wolfgang Wiedner

 

Otto Zitko