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Aktuelle Ausstellungen

 

 

ALOIS MOSBACHER

Reflex

Eröffnung am Samstag, 9. September 2016 um 18:00

Zur Vernissage spricht Roman Grabner, Universalmuseum Joanneum Graz

Ausstellung bis 30. Oktober 2016,

Mo – Sa  9 – 19 Uhr, So nach Voranmeldung

 

 

Alois Mosbacher

* 7. Juni 1954, Strallegg

 

1973 - 1978 Akademie der bildenden Künste, Wien

 

1979         Kunstpreis des Landes Steiermark

1993         Kunstpreis der Stadt Wien

2001         Georg Eisler Preis

2012         Kulturpreis Niederösterreich für Bildende Kunst

2014         Österreichischer Kunstpreis für Bildende Kunst

 

 

Ausstellungen (Auswahl):

 

2016    Intriguing Uncertainties, Musée d'art moderne et contemporain, Saint-Etienne

            Ascension, Art Box Museumsquartier, Wien

            Outta Space, Galerie Patrick Ebensperger, Berlin

2015    Die Wilden Jahre, Essl Museum, Klosterneuburg

            Zeit für A • Zeit für F, Vebikus, Kunsthalle Schaffhausen

            Nahe Ferne, Landesmuseum, Sankt Pölten

2014    Möblierte Widnis, Lentos, Kunstmuseum Linz

            Beam me up, Warhus Rittershaus, Köln

            Printemps, Haus der Kunst St. Josef, Solothurn

2013    Neunzehnhundertsiebzig. The Collection Toni Gerber, Kunstmuseum Luzern

            Beam me up, Galerie Altnöder, Salzburg

2011    4 seasons, Kunsthaus Basel Land

2010    Unsichtbare Schatten – Bilder der Verunsicherung, Museum Marta Herford

            Outside Fiction, Neue Galerie Graz

            Hans Kupelwieser / Alois Mosbacher, Galerie Gölles, Fürstenfeld

2008    Nach 1970, Albertina Wien

2007    Galerie Krethlow, Bern

2006    Landscape in your mind, Austrian Cultural Forum, New York

2005    Austrias, Städtische Galerie Nordhorn

            My Cabin, Galerie Krinzinger, Wien

2004    Out There, Secession Wien

2003    Hund, Galerie Gölles, Fürstenfeld

 

 

Alois Mosbacher nimmt in seinen aktuellen Arbeiten Bezug auf ältere Sujets wie Hund und reflektiert darin neue Sichtweisen.

Die umfangreiche Soloshow umfasst Neues aus Ascension, Frühe Lust sowie Gartenbilder und wird einer kleinen Retrospektive über die letzten 20 Jahre gegenübergestellt.

 

 

Alois Mosbacher - Reflexe

 

Alois Mosbachern ist einer „der zentralen Maler aus Österreich in seiner Generation“ und gehört sicherlich zu den „frischesten Bildschöpfern des abgelaufenen Jahrzehnts“.[1] Der Kurator und Kunsttheoretiker Robert Fleck konstatierte im Rückblick auf Mosbachers Schaffen, dass er immer zentrale Fragestellungen des zeitgenössischen Kunstdiskurses in seiner Malerei verhandelt hätte. In einer Gegenwart, in der sich die Menschen angesichts unübersichtlicher und sowohl medial als auch politisch instrumentalisierte Bedrohungsszenarien immer mehr in die vermeintliche Idylle des häuslichen Glücks zurückziehen und das Schlagwort eines neuen Biedermeier zirkuliert, malt Mosbacher Gartenbilder und konzipiert eine Ausstellung mit retrospektiver Ausrichtung zu diesem Thema.

Der Garten, das umzäunte kleine Grundstück, ist der individuelle Gegenentwurf zu einer als chaotisch und bedrohlich empfundenen Umwelt. Der Zaun oder die Mauer grenzen den Garten nicht nur als Zufluchtsraum ab, sondern auch als Rückzugszone aus einer fremdbestimmten Existenz. In Mosbachers Schaffen übernimmt er die Funktion, die der Wald in seinen früheren Bildern innehatte, ein komplexes Geflecht kultureller Vorstellungen und Zuschreibung zu sein. Als heile Welt im Miniaturformat ist der Garten daher immer Projektionsfläche und somit Spiegel des Menschen und der Drangsale seiner Zeit.

Ein durchgängiges Thema von Mosbachers Malerei ist das Ausloten narrativer Möglichkeiten. In jedem Bild geht es ihm um eine spezifische Stimmung, die eine Handlung nahelegt, die sich ereignen kann, aber nicht muss. Es geht um die Anlage eines narrativen Moments, das einerseits die Imagination des Betrachters stimuliert und andererseits den Ort der Darstellung wesentlich bestimmt. Malerei definiert sich für Mosbacher wesentlich durch Handlung und Bildgeschehen. Unterschiedliche Szenerien erfordern bzw. bedingen unterschiedliche malerische Möglichkeiten.

Die schreitenden Menschen in seiner Serie der „Walker“ vermessen als potenzielle Handlungsträger die gemalte Landschaft. Dienen sie dem Betrachter als Einstieg in das Bild, so sind sie für den Künstler malerischer Anlass und Problemstellung. Ähnlich wie die Hunde, die er seit 2000 in unregelmäßigen Rhythmen malt, geht es Mosbacher dabei nicht primär um das Motiv, sondern um die malerischen Möglichkeiten, die sich ihm damit bieten und die Implikationen, die sich daraus ergeben.

In einer seiner letzten Serien – Aftermath – hat er sich mit dem Begriff und dem Themenkreis des Postapokalyptischen auseinandergesetzt. In die Jahre gekommene und im Wald entsorgte Technik dient ihm als Attribut für eine gesellschaftspolitische Beschreibung, die in der Gegenwart ansetzt und auf eine potenzielle Zukunft vorausweist. Eine der wesentlichen Implikationen dieser Arbeiten ist für ihn die Frage nach den Nischen für Menschen, die an den Rändern der Gesellschaft leben. Er rückt die Außenseiter in seinen Fokus, die nicht den Konventionen entsprechen wollen, die sich Schlupfwinkel in der uniformen Struktur menschlichen Zusammenleben suchen und mitunter in die „Wildnis“ des Waldes zurückziehen. Die Arbeit „Shelter“ erscheint als Nachhall der damaligen Überlegungen. Die Ordnung der Natur in Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Utopien durchzieht das Oeuvre von Alois Mosbacher wie ein roter Faden.

Jedem Bild geht eine lange Recherche voraus. Er sucht im Internet Bilder, wählt diese aus und setzte sie auf der Leinwand in Beziehung zueinander. In seiner neusten Serie „Ascension“ setzt er dieses digitale Bildarchiv nicht mehr malerisch in Beziehung, sondern verdichtet die Motive zu digitalen Bildcollagen und akzentuiert sie nachfolgend durch Pinsel und Farbe.

Die Malerei präsentiert sich heute nicht mehr als klar abgegrenzte Gattung, sondern als offenes kulturelles Feld, das sich zwischen der historisch gewachsenen Malerei, den neuen Kunstformen, den ökonomisierten Produktionsmechanismen, der medialen Popkultur und den digitalen Welten aufspannt. Die Leinwand dient Künstlern wie Alois Mosbacher als Grund für Bilder, die Wirklichkeit über deren vielfältige digitale und mediale Spiegelungen repräsentieren. Dieses Verständnis von Malerei als einer eigenständigen Realität, die sich nicht auf die Darstellung oder Abstraktion der (Um)Welt beschränkt, sondern aufmerksame Beobachtungen, theoretische Reflexionen, und gesellschaftskritische Inhalte mit medienimmanenten Überlegungen verknüpft, zeichnet eine Kunst aus die am Puls der Gegenwart angesiedelt ist.

 

 

Roman Grabner, 2016

 


 

[1] Robert Fleck, Vom Pathos freiarbeiten. Die Aktualität von Alois Mosbachers Malerei. In: Outside Fiction. Ausst.-Kat. Neue Galerie Graz. Ostfildern-Ruit 2010, S. 86-91, 88.