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Aktuelle Ausstellungen
GÜNTER BRUS

 

Vernissage: Samstag, 11. September um 18:00 Uhr

zur Eröffnung spricht Frau Mag. Anke Orgel

wissenschaftliche Leiterin BRUSEUM, Neue Galerie Graz

der Künstler wird anwesend sein

 

Ausstellung vom 12. September bis 26. Oktober 2010

Mo - Sa   9 - 18 u. So nach tel. Vereinbarung

 

 

Biografie:

1938                 geboren in Ardning; lebt in Graz

1954-1958         Kunstgewerbeschule in Graz

1958-1960         Akademie für angewandte Kunst, Wien; Austritt

1958-1964         informelle zeichnerische und malerische Arbeiten, Bekanntschaft mit den                         Wiener Aktionisten. 1961 lernt Brus seine spätere Frau Anna kennen.

1964                 1. Aktion „Ana“, Wien, erstmaliger Einsatz des Körpers als künstlerisches                                              Medium, Übergang vom Informel zur „Selbstbemalung“

1965                 Aktionen „Selbstverstümmelung“, Wien, „Wiener Spaziergang“

1966                 Teilnahme am „Destruction in Art Symposium“, London; Radikalisierung der                                             Aktionskunst, erste Anfertigung von Aktionspartituren

1968                 Aktion „Kunst und Revolution“ mit Franz Kaltenbäck, Otto Muehl, Peter                                                   Weibel und Oswald Wiener in der Wiener Universität, Verurteilung zu 6 Monaten Haft

1969                 Flucht nach Berlin

1970                 letzte Aktion „Zerreißprobe“ in München

1970-1975         Rückkehr zur Zeichnung, Herausgabe des „Organs der österreichischen Exilregierung“, der „Schastrommel“ bzw. späterer „Drossel“ (bis 1977; mit Otmar Bauer, Hermann Nitsch, Gerhard Rühm, Oswald Wiener); Entstehung u.a. von „Irrwisch“, „Der Balkon Europas“, „Die Zernunft“, „Das Namenlos“; Konzert „Selten gehörte Musik“ mit Hermann Nitsch, Dieter Roth, Gerhard Rühm, Oswald Wiener im Münchner Lenbachhaus

1976                 Umwandlung der Haft- in eine Geldstrafe nach Audienz von Anna Brus beim österreichischen Bundespräsident Rudolf Kirchschläger

1976-1985         Bild-Text-Zyklen, von Günter Brus „Bild-Dichtungen“ genannt, u.a. zu William                                           Blake und Franz Schreker; Roman „Die Geheimnisträger“; Bühnenbilder, u.a.                         „Erinnerungen an die Menschheit“ (Autor: Gerhard Roth, steirischer herbst 1985)             1986-2009         Bild-Dichtungen und Einzelblätter; literarische Arbeiten, u.a. 1987 „Amor und                                           Amok“, 1993 „Morgen des Gehirns, Mittag des Mundes, Abend der Sprache“,                                      2002 „Die gute alte Zeit“, 2007 „Das gute alte Wien“; zahlreiche Ausstellungen                         und Retrospektiven in Europa und den USA

1992                 Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst

1997                 Großer Österreichischer Staatspreis

2008                 Grundsteinlegung des BRUSEUMS in der Neuen Galerie Graz am                                                          Universalmuseum Joanneum;

                        „Ein Fest für Brus“ – Ausstellung „BRUS‘ + BLAKE’s JOBs“, Symposium und Festakt zum 70. Geburtstag von Günter Brus, Neue Galerie Graz am Universalmuseum Joanneum

 

 

Werk:

Ausstellung „Günter Brus“, Galerie Gölles, Fürstenfeld

Mit einer breit gefächerten Werkauswahl präsentiert die Galerie Gölles in Fürstenfeld einen der wesentlichsten österreichischen Künstler internationalen Formats:

Günter Brus – Zeichner, Maler, Bild-Dichter, Schriftsteller, ehemals Aktionist.

Trotz seiner unterschiedlichen medialen und technischen Herangehensweisen ergibt sich ein in sich geschlossener, folgerichtiger Werkkomplex.

Die Beschäftigung mit informeller Malerei und Action Painting Anfang der 1960er Jahre inspirierte Brus zur Entwicklung stiller inszenierter Aktionen mit starkem Symbolgehalt, die zu autoaggressiven existentiellen Körperanalysen überleiteten. Damit schuf Brus als Vertreter des Wiener Aktionismus einen wesentlichen internationalen Beitrag zur Body Art. Mit der Aktion „Zerreißprobe“ in München 1970 endete die aktionistische Phase des Künstlers, der zu diesem Zeitpunkt bereits im Berliner Exil lebte. Fotografische und filmische Aufnahmen, u.a. von Kurt Kren, Ludwig Hoffenreich und H. Khasaq, vermögen bis heute einen lebendigen Eindruck von der Unmittelbarkeit der aktionistischen Handlungen zu geben.

Der Körper wurde in der Folge am Papier malträtiert, der Zeichenstift ersetzte das verletzende Werkzeug. Anfang der 1970er Jahre entstanden u.a. „Irrwisch“ oder „Der Balkon Europas“ als radikale Kritik an gesellschaftlichen Obrigkeiten und vermeintlichen Autoritäten. In der Folge dieser post-aktionistischen Werkphase veränderte sich der künstlerische Ausdruck sowohl formal als auch inhaltlich und es entstanden unzählige Zeichnungen, Einzelblätter und zyklische Werkgruppen, die häufig Bild-Text-Kombinationen aufwiesen und von Günter Brus „Bild-Dichtungen“ genannt wurden.

In den figurativ-abstrahierenden, manchmal am Rande zur Abstraktion stehenden, meist farbigen Darstellungen kann Märchenhaft-Poetisches, (Alb)Traumhaftes oder Visionäres liegen.  Gemeinsam ist ihnen eine markante, oft eruptive und dynamische, Linienführung.

Günter Brus, der „Einfachbegabte, der zweifach sich äußert“ - so erläutert er selbst seine künstlerische Disposition zwischen bildhaftem und textlichem Ausdruck. Brus' Verständnis des eigenen Künstlertums geht demzufolge stets von der Schaffenskomplexität aus. Die Bild-Dichtung, von Brus als eigenständige künstlerische Gattung proklamiert, veranschaulicht diese ideal: Gemeint ist eine Kombination von Text und Bild, die jedoch keine Verbindung der Komponenten voraussetzt. Der Bild-Dichter Günter Brus wählt die Sprache nicht als Beiwerk zu seiner bildlichen Ausdrucksform, ebenso wenig wie das Bild den Text illustriert. So unterschiedlich das Verhältnis textlicher und bildhafter Anteile in den zahlreichen Zyklen und Einzelblättern sein kann, so verschiedenartig sind die Zugangsweisen des Künstlers. Texte wie bildliche Darstellungen können von einer Beschäftigung mit Literaten, Philosophen, bildenden Künstlern, Musikern oder Wissenschaftlern inspiriert sein und sowohl als Zitate als auch in assoziativer Übersetzung in die Gestaltung einfließen – stets davon ausgehend, dass Bild und Text auch völlig autonom auf einem Blatt existieren können.

Obwohl die Besinnung auf ein traditionelles Medium wie die Zeichnung im Anschluss an seine Aktionskunst meist auf Unverständnis stieß, kann man nichtsdestotrotz aufgrund der Betonung des Körperhaft-Existentiellen von einer kontinuierlichen Fortsetzung eines Themas sprechen.

 Seit Anfang der 1970er Jahre experimentiert Brus auch mit druckgraphischen Techniken.

Die unmittelbare Bearbeitung präparierter Zink-, Kupfer- oder Stahlplatten mit Stahlnadeln, Rolleisen, Drahtbürsten, Taschenmessern, Scheren und Sandpapier scheinen indirekt Handlungen vergangener Aktionen zu reflektieren.

Dabei kommt der herausfordernde Widerstand des Materials der dynamischen, direkten, manchmal aggressiv erscheinenden Arbeitsweise des Künstlers entgegen, ein Umstand, der einmal mehr das mit Konsequenz verfolgte Schaffenskontinuum von Günter Brus bestätigt.  

 Anke Orgel